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ArtificialStupidity - Künstliche Dummheit


Die Wahrheit über “Die Lüge von der „Schnüffel-Fibel“”

Der sonst von mir ob seiner Objektivität sehr geschätzte Stefan Niggemeier schreibt am 29.11.2018 zur allgemeinen medialen Aufregung über die “Schnüffel-Fibel” der Amadeu-Antonio-Stiftung:

Die Lüge von der „Schnüffel-Fibel“
[…]
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Bernstiel ist „entsetzt“:

Ich finde es unfassbar, dass eine mit Steuergeld finanzierte Broschüre junge Mädchen, die Zöpfe und Kleider tragen, als potentiell „völkisch“ bezeichnet.

Ja, nur – das tut sie gar nicht.

In dem Fallbeispiel geht es gar nicht darum, aus den Kleidern und den Zöpfen, die das Mädchen trägt, irgendetwas zu erkennen.
[…] Es geht auch nicht um das Schnüffeln […]

Quelle: https://uebermedien.de/33365/die-luege-von-der-schnueffel-fibel/

Niggemeier hat an dieser Textstelle der Broschüre recht, das gibt die zitierte Stelle im Gesamtkontext nicht her. Aber “Lüge” ist ein sehr starkes Wort.

Aber an einer anderen Stelle der Broschüre geht es schon irgendwie um “Schnüffeln”:

Fall I.2: »Nationalsozialistische Symbole und problematisches Verhalten«

In einer Kindertagesstätte fällt ein Kind dadurch auf, dass es Hakenkreuze und Runen zeichnet und dies auf Nachfrage rechtfertigt (»Das gibt es bei uns zu Hause. Meine Eltern finden das gut.« »Meine Mama sagt, das Kreuz ist etwas Gutes!«). Gleichzeitig verweigert es, mit  Kindern zu spielen, die eine dunklere Hautfarbe oder eine Beeinträchtigung haben. Zudem spielt es sehr gern Krieg und ist gegenüber anderen Kindern aggressiv und gewalttätig.

[…] Grundsätzlich muss eine Kita auf juristisch verbotene Symbole reagieren, z.B. auf das Hakenkreuz – auch wenn sie von Kindern gezeichnet sind. […] Sollte sich im Gespräch mit dem einzelnen Kind herausstellen, dass im Elternhaus eine rechtsextreme Orientierung wahrscheinlich ist, so gilt es, zu reflektieren: Kinder geraten in solchen Fällen in Loyalitätskonflikte, sie lernen in der Kita etwas anderes als zu Hause. Kinder haben oft den Wunsch, ihre Eltern, die sie lieben, zu schützen und zu verteidigen.
[S.11]
Wir empfehlen, zeitnah einen Gesprächstermin mit den Eltern zu vereinbaren. Hier ist es sinnvoll, offen nachzufragen, ob die Eltern wissen, dass ihr Kind Hakenkreuze malt und wie sie sich das erklären.
[S.12]

Quelle: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/kita_internet_2018.pdf

Das Kind malt Hakenkreuze UND Runen und rechtfertigt dies auf Nachfrage UND es verweigert, mit Kindern zu spielen, die eine dunklere Hautfarbe oder eine Beeinträchtigung haben UND es spielt sehr gern Krieg UND es ist aggressiv und gewalttätig gegenüber anderen Kindern. Im weiteren Text ist allerdings dann nur noch vom Hakenkreuz-malen die Rede. Kinder die Krieg spielen und aggressiv und gewalttätig gegenüber anderen Kindern sind, stammen nicht zwangsläufig aus dem rechten Spektrum.

Es geht

  • um ein “Gespräch mit dem einzelnen Kind”, wobei sich etwas “herausstellt”,
  • um “zeitnah einen Gesprächstermin mit den Eltern zu vereinbaren”,
  • um “offen nachzufragen, ob die Eltern wissen, dass ihr Kind Hakenkreuze malt und wie sie sich das erklären.”

Erst die Befragung des Kindes, dann die Befragung der Eltern? Wenn das mal die richtige Reihenfolge ist. Niggemeier behauptet: “In dem Fallbeispiel geht es gar nicht darum […] irgendetwas zu erkennen”. In seinem Beispiel nicht, aber im von mir zitierten schon.

ausspionieren (Bedeutung 2): versuchen etwas herauszufinden, ohne dass dies von Betroffenen bemerkt wird

Quelle: https://de.wiktionary.org/wiki/spionieren

Schnüffler (Bedeutung 1): […] jemand, der nach etwas sucht (herumschnüffelt), das andere belastet oder in Schwierigkeiten bringen kann

Quelle: https://de.wiktionary.org/wiki/Schnüffler

Quelle (0): https://de.wikipedia.org/wiki/Spürhund

Nochmal deutlich: Es geht doch darum, das Kind nach der politischen Einstellung der Eltern zu befragen. Geht es um den Loyalitätskonflikt des Kindes? Wohl kaum, dann würde es ja ausreichen, das Kind zurechtzuweisen, dass das Malen von Hakenkreuzen in der Kita nicht erwünscht ist. Ohne das Kind zur Rede zu stellen, warum es so etwas malt. Danach werden die Eltern aber “zeitnah” zur Befragung einvorgeladen, das Kind muss also Informationen über die rechte Gesinnung der Eltern preisgegeben haben.

Bin ich der einzige, dem es dabei kalt den Rücken runter läuft? Hoffentlich kommt das Kind nicht aus einer buddhistischen Familie oder war in Tibet zum Bergsteigen, da ist das Hakenkreuz nämlich ein Glückssymbol.

Bild von Nat Krause, CC BY 1.0,
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3798049

Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Swastika

Also: Bei rechtsradikaler Einstellung der Eltern: “Nicht ohne Weiteres aus den Elternhäusern herausnehmen”.

Die Frage von Kindeswohlgefährdung
[…] Es kann […] nicht darum gehen, Kinder ohne Weiteres aus ihren Elternhäusern herauszunehmen.
[…] Insofern sehen wir die Aufgabe von Pädagog*innen zuallererst darin, hier anzusetzen und letztlich ein Fenster offenzuhalten, damit diese Kinder eines Tages selbstständig entscheiden können, ob sie einen anderen Weg gehen wollen oder erwachsener Teil der rechtsextremen Szene werden/bleiben. Es ist sinnvoll, den Kontakt zu diesen Kindern nicht zu verlieren. Von Aussteiger*innen wissen wir: Oft war ein Mensch für sie entscheidend, der sie als Person akzeptiert hat, aber – und hier reden wir vom späteren Jugend- und Erwachsenenalter – in ideologische Widersprüche verwickelt hat.
[S.15]

Und überhaupt, wenn es um “gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit” geht: Sonst niemand menschenfeindlich?

Kleine Wortanalyse der Broschüre:

  • Suche nach “rechtsextrem”, “rechtspopulitisch” ~> 144 Treffer,
  • Suche nach “links”, “salafist”, “islamist” ~> 0 Treffer.

Keine Brandanschläge von linksextrem indoktrinierten Kindern auf Bobbycars von Kapitalistenkindern in Kitas? Kein Problem mit der Demokratiebildung bei Kindern von Muslimen?

Muslimische Eltern protestieren scharf gegen schwulen Erzieher

Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article163228126/Muslimische-Eltern-protestieren-scharf-gegen-schwulen-Erzieher.html

Sollten Kitas nicht erst mal völlig unpolitische Räume sein? Benötigen wir eine staatlich geprüfte politische Agenda mit demokratischer Haltung, Geschlechtergerechtigkeit (72 Treffer für Geschlecht), Vielfaltspädagogik (81 Treffer für Vielfalt), Minderheitenschutz und Diskriminierungsverbot (62 Treffer für “Diskriminierung”) für Kleinkinder in Kitas? Ich glaube, da ist irgendwie was verrutscht, Erziehungsauftrag hin oder her.

“Kulturelle Vielfalt” ist auch zum propagandistischem Kampfbegriff verkommen, denn von Vielfalt ist in einigen Kitas mit >85% Migrantenanteil aus überwiegend muslimischen Herkunftsländern sicher nicht zu reden, denn Israelis, Schweden, Niederländer, Briten, Franzosen und auch “the volk, formerly known as Deutsche” kommen dort eben nur noch als Randgruppe vor. Mit dem buzzword “Vielfalt” ist es dann einfach, berechtigte Kritik an diesen schwierigen Zuständen (aka “Herausforderungen”: Schule in der Köllnischen Heide in Neukölln hat von 103 Erstklässlern nur eine(n) mit Familiensprache “Deutsch”) als rassistisch/rechts und gegen Kinderrechte gerichtet zu delegitimieren.

Fazit: Wenn man genauer hinsieht, ist das doch irgendwie eine “Schnüffel-Fibel”. Ich fürchte, dass diese Broschüre als Jagdauftrag auf rechte Gesinnungen (miss)verstanden werden wird. Aber dies als Skandal zu bezeichnen, halte ich für völlig übertrieben, die AA-Stiftung lag ja bisher mit ihren Aktionen auch immer etwas neben der Spur.

Broschüre: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/kita_internet_2018.pdf

« Ich will diese UN-Migrations-Waschmaschine nicht kaufen – Antrag G1 vom Bundeskongress der JUSOS 2018: Vorwärts nimmer, abwärts immer »

Info:
Die Wahrheit über “Die Lüge von der „Schnüffel-Fibel“” ist Beitrag Nr. 2257
Autor:
Martin Kaminski am 3. Dezember 2018 um 22:17
Category:
Künstliche Dummheit
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