Zum Inhalt springen


ArtificialStupidity - Künstliche Dummheit


EDEKA: Glücklicherweise sind Frauen keine dummen Männer

Der EDEKA-Clip von Jung und Matt (auch Fediwgugl 2017) „Wir sagen Danke.“ hat hohe Wellen geschlagen. Ist klar, das ganze Jahr ist jetzt Shitstorm-Saison und negative Publicity ist besser als keine Publicity. Manchmal geht das ganze natürlich nach hinten los. 

Eigentlich regt mich das gar nicht auf, man kennt das ja schon, irgendwie. Es ist auch nicht so, dass ich nicht über mich selbst lachen kann, auch wenn mir jemand den Narrenspiegel vorhält. Gebongt. Es ist auch nicht so, dass die Aussagen und Situationen im Clip nicht irgendwie realistisch wären. Auch gebongt. Sie blenden zwar einen wesentlichen Teil der Realität völlig aus, aber ich habe gar nicht den Anspruch, dass so ein Clip realistisch sein muss. Aber, wir finden immer Situationen im Lebensalltag eines Menschen, in denen er nicht so gut aussieht und die dazu dienen könnten, ihn lächerlich oder verächtlich zu machen. Für jeden Menschen finden wir solche Situationen, wenn wir z.B. in seine Privatsphäre eindringen.

Mir stellt sich die Frage, wie es eigentlich sein kann, dass gerade der Mann in der Werbung sehr häufig als Vollidiot dargestellt wird, der nur Dank seiner kompetenten Frau überhaupt überhaupt überleben kann. Eine Aufzählung der Werbespots, in denen dies so vermittelt wird, überlasse ich dem Leser als kleine Hausaufgabe.

Schauen wir mal wo das vielleicht herkommt:

Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.

Quelle: SPD, Hamburger Programm 2007

Das liegt daran, dass meine soziale Mutter ein Mann war: Mein geliebter Großvater, der bei meiner Geburt im Vateralter von 46 Jahren war. Er hat mich gewickelt, gefüttert und getröstet. Ihm verdanke ich die Erkenntnis, dass auch Männer Menschen sein können – wenn sie nur wollen.

Quelle: Alice Schwarzer

Es folgt also: Männlich ≠ menschlich, oder männlich = unmenschlich.

Unter dem Titel “Rassistische Hetze gegen Flüchtlinge überhaupt erkennen”, finden wir bei der staatlich geförderten Amadeu-Antonio-Stiftung im Flyer “Hetze gegen Flüchtlinge in sozialen Medien” die Kriterien für Hetze:

# Gegenüberstellung »Wir« und »Die«
[…]
# Verallgemeinerungen (»alle Flüchtlinge …)
[…]
# Entmenschlichung

Quelle: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/hetze-gegen-fluechtlinge.pdf

Ersetze “Flüchtlinge” durch “Männer”, dann passt das. Aber wahrscheinlich gilt das für Männer nicht, da Männer (Frauen-)Unterdrücker sind und Hetze gegen sie also sozial erwünscht ist. Das ist das besonders schöne am aktuellen Feminismus, Menschenrechte, wie z.B. Würde, sind dort zum Glück nicht mehr universell. Das ist ja nochmal gut gegangen.

Schauen wir mal weiter, ein Zitat von Andrea Nahles (18. Februar 2018):

Wenn’s leicht wäre, könnte es ja ein Mann machen.

Quelle: https://www.facebook.com/berichtausberlin/posts/wenns-leicht-wäre-könnte-es-ja-ein-mann-machen-andrea-nahles-bewirbt-sich-um-den/1862830563735958/

Heidewitzka. Offtopic, by the way:

Jetzt, zwölf Monate nach Nahles’ Fehlstart in Wiesbaden, stecken die Genossen in den Umfragen bei gut 17 Prozent im Dauertief, ungeachtet aller Anstrengungen ihrer Minister in der Regierung. Auch Versuche, sich von der großen Koalition abzusetzen, blieben erfolglos.

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/autoritaetsverlust-und-peinliche-auftritte-wie-lange-haelt-andrea-nahles-noch-durch/24239172.html

Jetzt was Härteres (Trigger-Warnung), Valerie Solanas 1971:

Wie die Menschen durch ihre höhere Entwicklung und ihr höheres Bewusstsein ein vorrangiges Lebensrecht gegenüber den Hunden haben, so haben die Frauen ein größeres Lebensrecht als die Männer. Die Vernichtung sämtlicher Männer ist daher eine gute und rechtliche Tat; eine Tat, die sich zum Wohl der Frauen wie zum Segen aller auswirken würde.

Quelle 1 (SCUM Manifest): https://www.amazon.de/Manifest-Vernichtung-Männer-S-C-U-M-niedergeschossen/dp/3875122399/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1226567127&sr=1-1

Quelle 2 (englisch): http://www.spunk.org/library/anarcfem/sp001291.txt

Wenn man hier “Männer” durch “Juden” und “Frauen” durch “Arier” ersetzt, hätte dies auch von Hitler stammen können. Na ja, 1971 ist sehr lange her, aber dies kommt heute noch immer gut beim Publikum an, z.B. bei Alice Schwarzers Kongress im “FrauenMediaTurm”  liest Jasmin Tabatabai aus dem SCUM-Manifest (Screenshot, Seite ist offline):

War bestimmt eine große Hallo.

In Schweden war’s auch ein großer Hit nach dem Übersetzungswerk von Sara Stridsberg (oder z.B. Scum Manifesto – as a school event). Aber auch derzeit in Deutschland mag man ihr Werk sehr:

Natürlich kann man diese Forderung belächeln, doch entbehrt sie nicht einer gewissen Logik. Männer verüben mit Abstand die meisten Verbrechen, Männer führen Kriege, Männer morden und vergewaltigen. Männer haben in der Geschichte eine Blutspur hinterlassen, die kein Amazonenstamm je toppen könnte.
Und Männer werden wahrscheinlich diesen Planeten zerstören. Daher bleibt uns im Grunde nichts anderes übrig als Solanas Worten zu folgen: „Das Leben in dieser Gesellschaft ist ein einziger Stumpfsinn, kein Aspekt der Gesellschaft vermag die Frau zu interessieren, daher bleibt den aufgeklärten, verantwortungsbewussten und lebenshungrigen Frauen nichts anderes übrig, als die Regierung zu stürzen, das Geldsystem abzuschaffen, die umfassende Automation einzuführen und das männliche Geschlecht zu vernichten.“

Quelle (aus dem Subtext zu): https://www.youtube.com/watch?v=Hfq1NK_viDE

Der Mann als Schädling.

TAZ:

Die Vernichtung (Mary Harron)
29 Jahre nach der Tat wird Valerie Solanas, die Frau, die auf Andy Warhol schoss, zur Filmheldin, brillant verkörpert von Lily Taylor. Regisseurin Mary Harron erklärt selbst, warum sie einen Film über die Autorin von S.C.U.M. und ihr “Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer” drehte.
[…]
Niemand hatte erwähnt, dass Valerie Solanas Talent und einen ausgeprägten Hang zur Komik hatte.

Quelle: https://www.emma.de/artikel/scum-die-vernichtung-263460

Satire also. Überspitzt und humorvoll, genau wie “Mein Kampf”. Solanas ist wirklich mittlerweile kalter Kaffee, aber ein paar Verwirrte verehren sie anscheinend immer noch. Sie war eine Extremistin, aber ihre faschistoide und totalitäre Denkweise scheint populärer den je.

Es geht aber noch einen Tacken härter (Trigger-Warnung Stufe II) mit Sally Miller Gearhart:

Die im Roman hinterfragte Existenzberechtigung von Männern und der 1982 veröffentlichte Essay “The Future – if there is one – is Female” führte aufgrund der Forderung, die männliche Bevölkerung auf 10 % der Gesamtbevölkerung zu reduzieren zu öffentlichen Diskussionen. Miller Gearharts Position schloss sich Mary Daly in einem Interview mit dem EnlightenNext magazine an.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sally_Miller_Gearhart

Zwar hat sie keine KZs geplant (Humanistin), aber gehen sollte das über pränatale Diagnostik und Abtreibung. Na, da haben die Männer ja noch mal Glück gehabt.

Fazit: Man könnte diese Liste noch beliebig fortsetzen, was ich mir und dem Leser erspare. Was ich zeigen wollte ist, dass diese mittlerweile tief im kollektiven Bewusstsein verankerte – sagen wir mal – “Polemik” gegen Männer eine gesellschaftlich allgemein akzeptierte theoretische Grundlage hat. Interessanterweise wird solche Polemik vor allem von denen verwendet, die sonst stets auf den Hass in der Gesellschaft verweisen, und sich nicht erklären können, wo der eigentlich her kommt. Man könnte einwenden, dass es sich bei diesen Abwertungen und Vernichtungsphantasien eben nur um Phantasien und verbale Entgleisungen handelt, oder eben um Satire. Allerdings gilt dies nicht für Valerie Solanas:

Am 3. Juni 1968 passte Valerie Solanas Warhol vor den neuen Räumen seiner Factory ab und schoss dreimal auf ihn. Warhol wurde durch einen Schuss schwer an Milz, Bauch, Leber und Speiseröhre verletzt. Außerdem schoss sie den Kunstkritiker Mario Amaya in die Hüfte und versuchte, Warhols Manager Fred Hughes in den Kopf zu schießen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Valerie_Solanas

War wahrscheinlich sowas wie “Kunst”. Nicht erst seit dem Milgram-Experiment  wissen wir, das normativer sozialer Einfluss durchaus zu realer Gewalt führen kann. Irgendwie sind diese Abwertungen auch lächerlich und voll von reaktionären Rollenbildern, denn sie blenden alle positiven Leistungen von Männern völlig aus und postulieren unreflektiert “die gute Mutti”. Das ist einäugig und dumm (und vielleicht sogar geklaut). Es könnten vielleicht alle Männer ein paar Tage mal ihre Arbeit niederlegen. Das wird bestimmt auch lustig.

*

Die aktuellen feministischen Hintergründe von Jung und Matt hat Gunnar Kunz in seinem Blog sehr gut beleuchtet:
https://alternativlos-aquarium.blogspot.com/2019/05/ein-werbefeldzug-im-geschlechterkrieg.html

« Wahl in Israel: Recherche ist unersetzlich – EDEKA: Einfalt und Vielfalt »

Info:
EDEKA: Glücklicherweise sind Frauen keine dummen Männer ist Beitrag Nr. 2931
Autor:
Martin Kaminski am 8. Mai 2019 um 13:29
Category:
Abgründe,Tragische Figuren,Wirre Werber
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

Keine Kommentare »

No comments yet.

Leave a comment