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ArtificialStupidity - Künstliche Dummheit


Die Höhepunkte der Journalistin Schröder

»Altersweisheit verzweifelt gesucht« ist der Titel von Alena Schröders Artikel in der Süddeutschen Zeitung am 9.7.2019. Sie rechnet mit drei (plus zwei) herausragenden Protagonisten der Öffentlichkeit schonungslos ab.

Harald Schmidt, Alice Schwarzer und Gerhard Schröder sind alt, sehr alt, für Frau Schröder zu alt, um in den aktuellen Debatten noch einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Man sollte sich eher auf’s Altenteil zurückziehen. Vorlaute Quatschköpfe lassen sich doch ohne Probleme aus den Pionieren der Meinungsstarken rekrutieren: “Ein Zeugnis echter Altersweisheit könnte ja sein, den Moment zu erkennen, in dem es ratsam ist, anderen die Bühne zu überlassen und nicht mehr überall mitquatschen zu wollen”. Richtig, Frau Schröder kann nämlich gut selbst quatschen und ist eindeutig jung (1979).

Frau Schröder (AS) schreibt:

Und dennoch kann man in den letzten Wochen beobachten, wie schwierig es mitunter zu sein scheint, der eigenen Bedeutsamkeit den Ruhestand zu gönnen, sich damit abzufinden, in den aktuellen Debatten nicht mehr an vorderster Front mitzumischen. Es ist der Sommer der Meinungszombies – plötzlich sieht und hört man wieder überall die Stimmen derer, die ihren großen geschichtlichen Moment eigentlich hinter sich haben und sich auf ihren Meriten ausruhen könnten. Stattdessen aber geben sie Interviews.

Quelle: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/leben-und-gesellschaft/harald-schmidt-alice-schwarzer-87509

Wer glaubt, jetzt folge eine messerscharfe Analyse von Frau Schröder, in der sie die Argumente ihrer Protagonisten auseinander nimmt, wird allerdings enttäuscht. Sie sagt zwar, was sie an den Aussagen der drei stört, aber eine Begründung sucht man vergebens. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Frau Schröder einfach nur anderer Meinung ist und das allein scheint schon für sie eine Art von Frevel zu sein, der auf die Abwesenheit von Weisheit schließen lässt.

AS: Harald Schmidt zum Beispiel, dessen Late-Night-Show in den späten Neunzigerjahren stilbildend und der für eine ganze Generation von Menschen, die mit Humor ihr Geld verdienen, eine Lichtgestalt war. Der Beweis, dass es in der Humorwüste Deutschland so etwas wie intelligente Comedy geben kann. Sogar die rassistischen Polenwitze und der offene Sexismus wurden von den meisten noch als ironisches Spiel mit Tabus verziehen. Und jetzt, anstatt es sich einfach weiter auf dem Traumschiff gemütlich zu machen, gibt Schmidt dem ORF ein Interview, in dem er sich über Political Correctness und den angeblichen »linksliberalen Mainstream« beklagt. In dem er Väter, die sich um ihre Kinder kümmern, als »Daddy-Weichei« und »Familientrottel« bezeichnet und die »Ehe für alle« nur gut findet, »weil man sich sonst unbeliebt macht«.

Aha, sie bezieht sich auf das von Peter Fässlacher (PF) geführte Interview mit Harald Schmidt (HS) im ORF. Sie ist offensichtlich nicht damit einverstanden, dass HS:

  1. “Political Correctness des angeblichen »linksliberalen Mainstream«” beklagt
  2. dass er Väter, die sich um ihre Kinder kümmern, als »Daddy-Weichei« und »Familientrottel« bezeichnet
  3. die »Ehe für alle« nur gut findet, »weil man sich sonst unbeliebt macht«.

Auch die Behauptung, dass Deutschland zu diesem Zeitpunkt eine Humorwüste gewesen sein soll, ist kaum haltbarer Quatsch: Engelke, Lück, Boning, Pastevka, Rima, Profitlich, Frier, Hoecker, Nuhr, A. Schröder, Badesalz uvm., angeblich alles Wüstenbewohner. Na gut, sie sagt “intelligente Comedy”, dann stimmt’s vielleicht, einigermaßen. Schauen wir uns die entsprechenden Stellen im Interview aber einmal an:

zu 1.)  “political correctness” [16:54]:

PF: Das heißt, es hat sich schon in den letzten Jahren auch nochmal verändert, wo sie heute sagen würden [HS: ja]: Also die Art von Humor, die ich jetzt vor 10, 20 Jahren gemacht hat [sic!], dass müsste ich nochmal irgendwie neu überdenken, neu angehen.
HS: Ich würde sagen: Mit den heutigen Maßstäben, auch der political correctness und des, des, sozusagen, der Sprachpolizei und des linksliberalen Mainstreams, hätte ich meine Show nach einer Woche abgenommen gekriegt.

Dies ist eine Feststellung, dass unter den aktuellen Bedingungen der political correctness und linksliberalen (hihi: “liberal” also) Mainstreams sein Sendeformat nicht möglich gewesen wäre. Man kann dazu stehen wie man will: Schmidts Konzept von Unterhaltung war geprägt durch die bewusste Verletzung von Tabus, beispielsweise durch sexistische Zoten wie das Anfassen von Samanta Fox’s Silikonbrüsten vor laufenden Kameras oder Polenwitze. Schmidt war das Gegenkonzept zum langweiligen und puritanischen deutschen “Und ewig grüßt das Murmeltier”-Unterhaltungsfernsehen. Schon in “Schmidteinander” hackte er regelmäßig auf seinem Sidekick Feuerstein herum, die legendären “Hupfdolls” tanzten im sexy Outfit durch die Zuschauerreihen und er selbst brachte mit seinen Witzen die Spießer auf die Palme. Dabei lassen sich die Betroffenen nicht mehr zählen, denen er auf die Füße getreten ist. Es wäre natürlich wirklich ein Zeichen von großer Weisheit, am Ende der Karriere, sein eigenes Lebenskonzept über Bord des Traumschiffes zu werfen und genau die puritanischen Spießer, die man ein Leben lang verarscht hat, zum “State of the Art” zu erklären.

zu 2.) Väter [17:50]:

PF: Ist Vater-sein für sie, etwas – hat das einen hohen Wert, ist das Teil von ihrem Selbstverständnis?
HS: Ja, aso, aso, it, sehr traditionell. Um es klar zu formulieren: Ich habe mich nie zum Familientrottel machen lassen. Ja, also was man heute [unverständlich] – in meiner Kategorie “Daddy-Weichei”, der Mitt- bis Enddreißiger, ja, Strubbelpudelmütze, Baby vor dem Bauch, die Mutter sitzt im Kaffee und verändert die Welt, er kriecht dem vollgekotzten Baby im Hipp-Kaffee auf allen Vieren hinterher. Nicht meine Welt. Wer das will, bitte.

Das ist wirklich eine bitterböse Reproduktion von Rollenstereotypen! Ist das eigentlich jetzt eine Straftat? “Guten Tag. Uns ist bekannt geworden, Sie hängen dem Rollenmodell der traditionellen Familie an! Bitte leisten Sie keinen Widerstand!” Kann man sich auch ohne Pudelmütze auf zwei Beinen um die Kinder kümmern? Geht es hier nicht eher um den “neuen, weichen Mann” aus III.-Welle-feministischer Produktion, der Gefühle zulassen kann und seine Privilegiertheit als weiß, hetereo und männlich reflektiert und ansonsten die Fresse hält, wenn Frauen sprechen und das Gebären für das Zentrum seines Lebens hält? Muss man das gut finden? Auch hier stellen wir wieder fest: Frau Schröder ist wahrscheinlich nur anderer Meinung.

Der echte Mann. Quelle: Welt.

zu 3.) Ehe für alle [22:58]:

PF: Die Ehe für alle finde ich gut, weil?
HS: Man sich sonst unbeliebt macht.

2/3 der Deutschen befürworten die “Ehe für alle”, was ist eigentlich mit dem anderen Drittel? Auch hier stellen wir wieder fest: Herr Schmidt hat einfach nur eine falsche Meinung, dabei gehen die Meinungen weltweit doch etwas auseinander. Ganz Afrika, Asien und Russland dumm (d.h. nicht weise)? Ist das nicht zutiefst arrogant und rassistisch?

Dunkelblau: Gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt. Gelb bis rot: Homosexualität steht unter Strafe, dabei dunkelrot: Todesstrafe. Quelle: Wikipedia.

HS: Ich freu’ mich schon auf die Missverständnisse und die Kreise die es [Anm: das Interview] ziehen wird.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=ZN_Tr13_qUQ

qed.

Zu den Aussagen von Frau Schwarzer kann ich hier nichts sagen, da das Interview hinter einer Paywall (WELT) liegt.

Noch zu Gerhard Schröder schreibt Frau Schröder:

Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder zum Beispiel würde mit seinen aktuellen Äußerungen, er halte das ganze Gewese um das Thema Klimaschutz für übertrieben, sicherlich glaubwürdiger rüberkommen, hätte er sich nicht nach dem Ende seines politischen Lebens für einen gut dotierten Posten in einem russischen Energiekonzern entschieden. Auch die SPD scheint auf seine Tipps und Empfehlungen gern zu verzichten, war es doch unter anderem Schröder, dessen Agendapolitik es der SPD heute so schwer macht, sich noch als soziale Partei zu verkaufen.

Schauen wir auf den Gerhard Schröderschen Originaltext:

“Dass das ein wichtiger Aspekt ist, will ich gar nicht bestreiten. Aber dass jetzt fast die gesamte politische Debatte von der Klimafrage dominiert wird, geht mir zu weit”, sagte der 75-Jährige dem “Handelsblatt”.

Quelle: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gerhard-schroeder-findet-die-debatte-ums-klima-uebertrieben-a-1276134.html

Eieiei. Im Umkehrschluss sollte sich, nach Frau Schröders Meinung, die gesamte politische Debatte nur noch um die Klimafrage drehen.

Weiter im Text:

AS: Auch Joachim Gauck, Bürgerrechtler und einst Bundespräsident mit dem Spezialthema »Freiheit«, macht gerade von sich reden, weil er eine »erweiterte Toleranz in Richtung rechts« fordert und die Weigerung einer Mehrheit der Bundestagsabgeordneten, einen AfD-Kandidaten in das Amt eines Vizeparlamentsvorsitzenden zu wählen, für kleinlich hält. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der sich die AfD zunehmend weiter radikalisert [sic!] und rechtsradikale Untergrundgruppen im großen Stil rassistische und politische Morde planen.

Da wird nach Leibeskräften zusammengewurstet, was gerade noch so geht. Und ab die Post von rechten Einstellungen, zur sich rechtsradikalisierenden AfD und zu rechtextremen Mörderbanden. Zur Erinnerung: Die CDU war mal eine rechte Partei, die älteren unter uns erinnern sich:

Innerhalb des demokratischen Spektrums wird der Begriff „rechts“ heute meist mit „bürgerlich“ gleichgesetzt und für die entsprechenden Parteien (in Deutschland vor allem CDU/CSU und teilweise FDP) verwendet, um sie von der „Linken“ abzugrenzen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Rechte_(Politik)

Aber hipp ist derzeit das, dass jeder, der mit dem Begriff “konservativ” einen Satz anfängt, beim Rechtsextremismus, Terror und den Gaskammern des Holocausts landet. Begründung: Isso!

AS: Wer das Sommerloch allerdings für Interviews nutzt, nimmt in Kauf, dass noch die treuesten Fans plötzlich erkennen, was für ein reaktionärer und unangenehmer Charakter man möglicherweise schon immer gewesen ist.

Wer allerdings das Sommerloch dazu nutzt, halbverstandene oder halbgelesene Interviews zu kommentieren und die Interviewten dann als dumm und reaktionär zu bezeichnen, der nimmt in Kauf, dass der kritische Leser erkennt, dass ein linker Dummschwätzer ihn für komplett zurückgeblieben hält.

Es zeigt sich hier wieder ein in der feministischen Literatur weit verbreitetes Phänomen, überall Probleme zu sehen, nur nicht die eigenen.

Zum Schluss: Der Höhepunkt

Quelle: oben.

Fazit: Es heißt “Miss Piggy” und “interviewt“.

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Info:
Die Höhepunkte der Journalistin Schröder ist Beitrag Nr. 3435
Autor:
Martin am 8. März 2020 um 19:29
Category:
alt aber immer noch relevant,Besserwisser,Elfenbeinturm,Perlen des Qualitätsjournalismus,Tragische Figuren
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