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ArtificialStupidity - Künstliche Dummheit


26. März 2019

Woher kommt eigentlich die Gewalt?

Hei, es ist wieder Shitstormsaison und einer nach dem anderen fegt über das komplett polarisierte Land. Die Szenen erinnern mich immer an den Kindergarten: “Ich hab’ gar nichts gemacht!” oder “Der/Die hat angefangen!” (siehe auch). Ich bin der Meinung, dass sich Menschen im Laufe ihres Lebens nicht wirklich grundlegend verändern, daher bleiben uns die altbekannten Konflikte aus der frühesten Jugendzeit wohl bis zum Betreten der Gruft erhalten.

Verdorri, woher kommt nur diese ganze Gewalt und Aggression? Immer fällt einem in diesem Zusammenhang ein kleiner aber erlesener Kreis von Menschen auf, die als echte Demokraten, wie niemand anderes die Grundprinzipien menschlichen Zusammenlebens in ihrem Kern verstanden haben. Ich versuche hier, anhand von teilweise etwas älteren Beispielen zu zeigen, wie die Eskalation von Einstellungen funktioniert haben könnte.

Beispiel 1: Die unterschätzte Gefahr: Der Rentner (2008)

Im Dezember 2007 sorgt ein […] Fall deutschlandweit für Schlagzeilen. Der damals 20-jährige Serkan A. und der 17 Jahre alte Spyridon L. verprügeln im U-Bahnhof Arabellapark den Rentner Bruno N. derart schwer, dass dieser nur knapp überlebt. Festgehalten wird die brutale Tat von einer Videokamera. Die Aufnahmen zeigen, wie die beiden jungen Männer den 76-Jährigen mit Tritten und Schlägen traktieren, ihn zu Boden schlagen und mit voller Wucht gegen den Kopf des Liegenden treten. Das Opfer erleidet dabei einen dreifachen Schädelbruch. Serkan A. und Spyridon L., die der Polizei längst als jugendliche Gewalttäter bekannt sind, haben den ehemaligen Schulleiter fast totgetreten, weil er sie auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen hatte.

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/chronologie-der-gewaltexzesse-jugendliche-schlaeger-in-muenchen-1.49609

Man könnte noch ergänzend hinzufügen, dass sich die beiden Jugendlichen zu Bruno N. gesetzt hatten und ihm Zigarettenrauch ins Gesicht geblasen haben. Damit ist hoffentlich klar, dass die Provokation nicht unbedingt vom Rentner Bruno N. ausging.

Soweit, so schlecht.

Nun gibt es eine Regel, dass ein Linker nur ein echter Linker, Freiheitskämpfer und Antifaschist ist, der schon einmal vom rechten Mob im Shitstorm in die Gaskammer gewünscht wurde. Diese Selbstadelung muss also der Plan von Jens Jessen gewesen sein, als er im Januar 2008 in seiner Videobotschaft sagt:

In welcher Atmosphäre wachsen eigentlich ausländische Jugendliche auf? Ist es nicht eine Atmosphäre ständiger Gängelei? Man fragt sich doch, ob dieser Rentner, der sich das Rauchen in der Münchner U-Bahn verbeten hat, und damit den Auslöser gegeben hat zu einer zweifellos nicht entschuldigbaren Tat, in der Kette einer unendlichen Masse von Gängelung, blöden Ermahnungen und Anquatschungen zu sehen ist, die der Ausländer und namentlich der Jugendliche hier ständig zu erleiden hat.

Und letztlich nicht nur der Ausländer. Letztlich zeigt der deutsche Spießer doch überall sein fürchterliches Gesicht.

Quelle (bitte beachten Sie dazu auch das schlechte Ölbild “Genosse Lenin auf der Brücke” im Hintergrund): https://www.youtube.com/watch?v=lXhLAdPFROs

Genau. Das ist wie bei vergewaltigten Mädchen: Das provozierende Aussehen hat nur das Fass der unendlichen Masse von erotischen Stimulation in der Werbung, in den Medien und überhaupt zum Überlaufen gebracht. Schließlich zeigt die deutsche erotische Frau doch überall ihr fürchterliches Gesicht.

Und ich bezeuge, man sieht das jeden Tag in der Straßenbahn: Rentner, die mit blöden Ermahnungen und Anquatschungen junge Ausländer gängeln. Einfach ekelig. Der fiese Rentner hat in Wirklichkeit nur so getan, als wäre er Opfer, um den wahren Opfern, die immer wiederkehrende Nörgelei von alten, weißen und heterosexuellen Männern zu Gewalttätern gemacht haben, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Perfide.

Hintergrund: https://www.welt.de/vermischtes/article1911013/U-Bahn-Schlaeger-aus-Muenchen-bald-vor-Gericht.html

Weiter mit Jessen im Video:

Neulich gab einen sehr merkwürdigen Vorfall in einer Hamburger U-Bahn der Linie U1. […] In dieser U-Bahn gab es zwei Betrunkene, die sehr laut Klamauk gemacht hatten. […] Aber was geschah: Irgendeine bösartig durchgeknallte Rentnerin stand auf und zog den Nothalt-Griff.

Jetzt wird uns endlich klar: Die Gefahr im Staate geht von bösartigen durchgeknallten deutschen Rentner*Innen aus! Motiv: Hass auf lauten, betrunkenen Ausländer-Klamauk!

Beispiel 2: Das unterschätzte Potenzial: Jugendbanden! (2010)

Unter dem Titel “Kontrapunkt: Mentales Altersheim – und Demographie” schreibt MALTE LEHMING im Tagespiegel am 16.11.2010, 09:50 Uhr:

Sie sind jung, mutig, mobil, hungrig, risikobereit, initiativ. Solche Menschen braucht das Land. Natürlich ist es nicht schön, wenn Jugendliche – ob mit türkischem oder libanesischem Hintergrund – in den Straßen von Berlin Banden bilden, Reviere verteidigen und mit Messern hantieren. Aber hinter der Kritik an ihrem Verhalten verbirgt sich oft bloß der Neid derer, die Vitalität als Bedrohung empfinden, weil sich die eigene Mobilität auf den Wechsel vom Einfamilienreihenhaus in die Seniorenresidenz beschränkt. Lieber ein paar junge, ausländische Intensivtäter als ein Heer von alten, intensiv passiven Eingeborenen.

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/meinung/kontrapunkt-mentales-altersheim-jugendbanden-und-demographie/2691704.html

Mir treibe diese Sätze Tränen der Rührung in die Augen: Endlich hat mal jemand das Potenzial der organisierten (Jugend-)Kriminalität erkannt. Was können wir nicht alles von Ndrangheta, Yakuza, Triaden, Mara Salvatrucha und Mafia lernen? Wie sinnlos sind unserer Fleiß und unsere Bemühungen um Produktivität! Man muss nur die Geldströme kreativ zu seinen Gunsten umleiten und schon hat man ein Überlebensmodell über Jahrzehnte und Wohlstand für alle (also, für die, die zur Familie gehören). Das ist der wahre Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Wir blenden dabei einmal die Personen aus, die mit Betonfüßen auf dem Grund des Hafenbeckens liegen. Man muss sich einfach nur ein bisschen Mühe geben, um diese Form der “Vitalität” als Potenzial zu erkennen. Kommt schon, alte Männer, bisschen mehr “Mobilität”! Vorwärts immer!

Die linksintellektuelle Elite hat also schon sehr lange erkannt (und nicht nur in Berlin), dass nicht die Kriminalität das Problem ist, sondern die alten intensiv passiven Eingeborenen, die noch auf die Durchsetzung längs überholter Prinzipien wie Gewaltmonopol oder Rechtsstaat hoffen. Dabei gilt doch der Satz, dass die Kriminalität sofort verschwindet, sobald man sie ignoriert. Und: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (nach Heitmeyer) ist voll ok, wenn sie nur die richtige Gruppe trifft!

Hintergrund: https://www.tagesspiegel.de/berlin/landespolitik/nach-schiesserei-in-neukoelln-vernetzt-gegen-kriminelle-grossfamilien/2508204.html

Letzes Beispiel: Der Problembürger

Betrachten wir dazu abschließend das folgende aktuelle Spiegel-Cover (12.2019):

Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/index-2019-12.html

Bildinterpretation: Wir sehen den klassisch-deutschen-kleinbürgerlich-aggressiven Hund: den Dackel (mit rotem Tuch!?). Die Frage ist: “Warum so viele Menschen im Alltag die Nerven verlieren und ausrasten.” Natürlich ist sofort klar: Der rechte deutsche Kleinbürger ist unser drängendstes Problem. Der deutsche Wutbürger ist es, wenn bei der Aufnahme eines Unfalls 100 Personen auf der Straße stehen und die Polizei bedrohen. Der deutsche Kleinbürger ist’s auch, der in der Notaufnahme zusammen mit 30 Familienmitgliedern die Ärztin bedroht, wenn er länger warten muss.

Ich spare mir die weitere Interpretation.

Fazit: Ich sehe Kriminalität von Ausländern nicht anders als die der Nativen. Ich wundere mich aber immer wieder über diese tiefe Verachtung für die Opfer, die aus solchen Statements spricht. Es haben eben auch viele Linke jede Beißhemmung verloren, und das ist ein Problem, wenn Debatten halbwegs zivilisiert geführt werden sollen. Scheinbar habe viele daran kein wirkliches Interesse. Klar gibt es hässliche Statements überwiegend von Rechts, aber es gilt Johannes 8,7: “Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein […]”. Zurzeit fliegen aber nur unreflektiert die Steine in alle Richtungen.

Wer flächendeckend eine Gruppe (42% der Erwerbsbevölkerung, Stand 2015) pauschal mit infantiler Verachtung überzieht, sollte nicht auf kultivierte Reaktionen hoffen, sondern ist eher ein intellektueller Brandstifter. Komisch: Niemand würde sich mit einer gelb-schwarzen Mütze in die Innenstadt von Gelsenkirchen stellen und laut “Schalke is’ Scheiße” rufen und dann erwarten, dass man ihn zum Bier einlädt. Und wenn man nicht zum Bier eingeladen wird, schreit man auch noch laut “Skandal, Skandal!” Aber auf Youtube macht man das scheinbar so.