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ArtificialStupidity - Künstliche Dummheit


23. Januar 2026

Daniel Günther bei Lanz

In der Sendung „Markus Lanz“ vom 7.1.2026 ist der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein Daniel Günther zu Gast. Dort fordert er im Extremfall ein Verbot von freien, „alternativen“ Medien wie z.B. NIUS. Die Reaktionen seiner Verteidiger reichen bizarrerweise von „Endlich hat’s mal einer gesagt!“ bis zu „Hat er gar nicht gesagt!“, er selbst fügt später noch hinzu „Alles was ich gesagt habe ist eingetreten“. Schauen wir uns einmal an, was er dort wirklich gesagt hat.

Video ZDF-Mediathek „Lanz“: https://www.zdf.de/play/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-7-januar-2026-100

Günther [0:53:16]:

Ich will jetzt von hier aus als schleswig-holsteinischer Ministerpräsident keine Außenpolitik machen.

Günther [0:53:36]:

Ich bin aber nicht als Bürger hier, sondern ich bin Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein.
[…]

Günther [ab ca. 1:11:00]:

Naja, ich meine, machen wir uns doch nichts vor, aber diese ganzen, als es in der großen Koalition, groß muss man ja ein bisschen vorsichtig sein […] Wenn die in eine Schieflage gekommen sind, öffentlich, hatte das immer was damit zu tun, dass sich Politik auch davon beeinflussen lässt, wie bestimmte Medien auch versuchen, ihre eigenen Politischen Ziele […] Ich meine, wer hat denn dagegen geschossen? [Bezug: Dr. Brosius-Gersdorf] Nius und solche Portale. Und es gibt Abgeordnete meiner Union, die solche Portale lesen, die sowas teilweise auch weiterschicken, die sowas in WhatsApp-Gruppen verteilen. Und ich glaube, wir müssen viel, viel mehr aufwachen, dass das unsere Gegner und auch die Feinde von Demokratie sind. Und wenn wir uns nicht zusammenreißen und zivilgesellschaftliche Organisationen, auch uns mit denen zusammenschließen, um uns gegen solche Exzesse auch zu wehren, dann werden wir unsere Demokratie in Deutschland in den nächsten zehn Jahren nicht wiedererkennen.
Kommentar: Aha: Wenn die GroKo in eine Schieflage gekommen ist, hatte das immer mit kritischer Berichterstattung zu tun und nicht etwa mit kritikwürdigen  politischen Entscheidungen! Auch hier scheint ja schon etwas totalitäre Gesinnung durch, wenn er Parteigenossen vorschreiben will, welche Medien sie konsumieren und welche Nachrichten sie verteilen. Ferner ist unklar, was „geschossen“ im Zusammenhang mit Frau Dr. Brosius-Gersdorf und NIUS bedeuten soll. Was war denn konkret der „Exzess“ in diesem Zusammenhang? Die simple Ausleuchtung ihres Hintergrundes kann wohl nicht gemeint sein, denn nur das hat NIUS (und viele andere auch, siehe auch http://www.artificialstupidity.de/die-qual-der-wahl-professorin-dr-frauke-brosius-gersdorf-soll-verfassungsrichterin-werden) ja getan.

Lanz:

Oder zerstören?
Günther:
Naja, zumindest wirken wir ja daran mit, wenn wir uns dem nicht entgegenstellen. Und deswegen müssen wir, glaube ich, alles, was dieses kleine parteipolitische Gegeneinander und gucken, wo setzt sich wer an der Stelle durch. Ich glaube, es den Leuten mittlerweile zuwider, wenn Regierungen unser Land in einer Krise regieren, dann wollen die Parteien haben, die an einem Strang ziehen, die die Dinge in die Hand nehmen, die die Dinge umsetzen¹. Und die wollen nicht hören, wer setzt sich in welchem Punkt durch. Und da dürfen wir halt auch diesen Medien nicht immer Steilvorlagen auch geben, indem wir uns über irgendwelche Kleinigkeiten miteinander streiten. Und ich glaube, nur das ist am Ende der Weg, um Extremisten klein zu kriegen und wieder eine Stabilität in Deutschland hinzubekommen. 
Kommentar: ¹Wie wäre es mit einem Zusammenschluss der „demokratischen“ Parteien zu einer Einheitspartei, die dann „an einem Strang zieht“?

Lanz [1:12:24]:

Okay. Also was Sie jetzt gerade sagen, ist im Grunde, wir müssen das regulieren, wir müssen es notfalls zensieren und im Extremfall sogar verbieten.
Günther:
Ja.
Lanz:
Darüber reden wir.
Kommentar: Lanz sollte sich vielleicht Notizen machen, wenn er den Faden verliert und dann nachfragen muss. Bei ca. 1:08:35 wurde das Thema: „Der australische Weg, Verbot SM < 16-Jährige“ gesetzt, also vor beinahe 4 Minuten! Später beruft er sich auf diesen Kontext obwohl er direkt vor der Frage beim Thema „diesen Medien nicht immer Steilvorlagen auch geben“ war.
Günther:
Wir reden da drüber […] also, Social Media darf bis 16-Jährigen nicht mehr zugänglich gemacht werden. Und da brauchen wir eine Zusammenarbeit und Unterstützung, auch mit diesen Unternehmen, ähnlich wie Australien das gemacht hat, um unsere Jugend zu schützen. Vor Desinformation, vor sexuellen Übergriffen.
Kommentar: Da hat wohl Günther plötzlich verstanden, was er da gerade gesagt hat und schafft es mit Müh und Not und der Hilfe von Lanz suggestivem Einwurf das ganze Thema auf SM-Verbot für unter 16-Jährige abzulenken. Alle unter 16-Jährige gehen an rechtem Gehirnkrebs tot, wenn Günther hier nicht gehört wird. Günther ist eben von edler Gesinnung und will vor Desinformation und vor sexuellen Übergriffen schützen, davon redet er aber die ganze Zeit überhaupt nicht.

Lanz:

Wenn Sie sagen, da gibt es Portale, die agitieren, die […] berichten dann Dinge, die dann Kampagne sind und mit Journalismus nichts mehr zu tun haben. So haben sie es gerade ausgedrückt. Dann würden die sagen, Entschuldigung, das ist Meinungsfreiheit. Das ist auch von der Meinungsfreiheit gedeckt. An welchem Punkt greifen wir dann ein? In so etwas Wichtiges und Wertvolles wie Meinungsfreiheit? Ich verstehe ja das Argument.
Kommentar: Und schon sind wir wieder beim eigentlichen Thema „diese journalistischen Portale“. Potz Blitz.
Günther:
Aber ich habe ja gesagt, es ist nicht nur Aufgabe von Politik, Demokratie zu schützen. Unsere Hauptaufgabe. Aber ich finde, alle zivilen Organisationen müssen auch sich zur Demokratie bekennen. Und ich glaube auch, dass es innerhalb der Medien auch mal eine Diskussion dafür rübergeben muss, welche Qualitätskriterien müssen Medien eigentlich auch erfüllen. Denn natürlich ist es so, wir haben ja bei uns zum Glück Pressefreiheit, Meinungsfreiheit in unserem Land. Aber wenn man eine solche Einflussnahme hat wie Medien, dann muss man eben auch bestimmte Qualitätskriterien auch einhalten. Und gucken wir uns an, findet heute noch statt, dass man eine zweite Quelle prüft? Findet noch statt, dass Journalisten wirklich, ich sag mal, wahrhaft auch berichten und auch nicht nur Meinungsmache machen? Also wenn ich mir NIUS-Artikel angucke, mit denen ich irgendwas zu tun habe, kann ich nur sagen, da stimmt in der Regel nichts drin. Das ist einfach vollkommen faktenfrei, was an der Stelle gemacht wird. Aber die treten eben auf und machen den Eindruck, Leute, als wäre das sozusagen im Sinne der Meinungsfreiheit etwas, was man in unserem Land sagen darf. Und ich glaube, es ist einfach falsch, wenn man das einfach so hinnimmt. Und wir müssen das eben auch erkennen in der Politik, dass die es nicht gut meinen mit unserer Demokratie. Und das, glaube ich, ist nicht nur unsere Aufgabe.

Kommentar: Und schon wird von Günther wieder der Kontext „diese Median“ mit expliziter Nennung von NIUS gesetzt. Seine Behauptung: NIUS lügt faktenfrei über Günther und tut so als sei das von der Meinungsfreiheit gedeckt! Das darf man aber im Sinne der Meinungsfreiheit gar nicht sagen! Es ist falsch, das einfach so hinzunehmen. Was soll denn in diesem Zusammenhang „nicht hinnehmen“ bedeuten?

Fazit: Die Probleme unseres Landes sind nicht etwa schlechtes politisches Handeln sondern die kritische Berichterstattung darüber. Eigentlich ist alles Tutti mit der Regierung, nur dem Dummvolk wurde im Rahmen einer Verschwörung Böses eingetrichtert! Für mich ist auch die Antwort „Ja“ zur Zensurfrage von Lanz nicht die einzige problematische Stelle in dem Gespräch. Günther setzt mehrfach selbst unaufgefordert den Kontext NIUS (usw.) und eben nicht Jugendschutz, denn wie viele unter 16-Jährige lesen denn Portale wie NIUS (usw.)?

Quelle: https://www.zdf.de/play/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-7-januar-2026-100

Transskript geklaut bei (Hervorhebungen von mir):

[Nachtrag: Am 14.1.2026 bestreitet Lanz dann plötzlich, dass Günther über Zensur von NIUS gesprochen hat und saut die schlecht vorbereitete von Storch (welche Quelle, oder Schachmatt!) dermaßen unverschämt damit ab, sie wäre auf irreführenden Schnitt (durch NIUS) des obigen Ausschnitts hereingefallen [ab ca. 1:04:24]. Selbst der linke DJV hat diese Zensurforderung genau so wie von Storch interpretiert, wie auch jeder, der halbwegs bei Verstand ist und das gesehen hat.

Quelle: https://www.zdf.de/play/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-14-januar-2026-100]