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ArtificialStupidity - Künstliche Dummheit


Berlin: Zur Schwabenfrage

Die schon länger in Berlin Lebenden haben ein Problem mit den eingewanderten Schwaben.

Auf der Seite “AusserGewöhnlich Berlin” lernen wir unter dem Titel (fett):

Überfremdung: Warum jeder Schwaben in Berlin hasst

Schwaben, dieses seltsame Volk, das irgendwo im Alpenvorland haust, emigriert nach Berlin. Doch die Ureinwohner wollen keine Schwaben in Berlin. Denn der Schwabenhass hat mehr Gründe als nur Überfremdung.

Schwabenhass-Faktor #1: Die Sprache […]
Schwabenhass-Faktor #2: Der Geiz […]
Schwabenhass-Faktor #3: Die Küche […]

Quelle: https://aussergewoehnlich-berlin.de/schwaben-in-berlin/

Wolfgang Thierse in RP-Online:

[…] die Frage, wie sehr sich Bürger an die Gewohnheiten in neuen Umgebungen anzupassen haben, wie sehr sie selbst ihr Umfeld prägen dürfen – und wie sich das Leben ohnehin verändert.
Denn Thierse gehört zu den gefühlten 90 Prozent Berlinern, die selbst nicht aus Berlin stammen. Geboren in Breslau, aufgewachsen in Thüringen, reklamiert er den Kollwitzplatz im Trendbezirk Prenzlauer Berg als seine Heimat. Die vielen Mütter treffen noch auf die Toleranz des Sozialdemokraten, der sich für Multikulti engagiert. Doch “strapaziös” empfindet er es, wenn er beim Bäcker nur noch “Wecken” und keine “Schrippen” bekommt. Dann wünscht er sich, “dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche” [Hervorhebung von mir]

Quelle: https://rp-online.de/panorama/woher-kommt-der-schwaben-hass-in-berlin_aid-15623521

Dabei wissen wir doch vom türkischen Präsidenten:

Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit

Quelle: https://www.sueddeutsche.de/politik/erdogan-rede-in-koeln-im-wortlaut-assimilation-ist-ein-verbrechen-gegen-die-menschlichkeit-1.293718-8

Ist natürlich alles nur Spass. Wir fragen mal die allwissende Müllhalde (nein nicht Google sondern Wikipedia):

Die nach Berlin zugezogenen Schwaben gelten nach einem Artikel im Tagesspiegel „als Mietpreistreiber und Speerspitze der Gentrifizierung“, zugleich wird die Bezeichnung „Schwaben“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt, als Synonym für pedantische und vergleichsweise wohlhabendere Zugezogene aus dem Süden und Westen der Republik verwendet. Auf Plakaten werde ihnen ein mangelnder Sinn für „Berliner Kultur“ vorgeworfen. Zudem werde ihnen angelastet, zu einer zunehmenden Spießigkeit beizutragen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwabenhass

Ach, die bösen Reizworte “vergleichsweise wohlhabendere Zugezogene”, “Gentrifizierung” und “pedantisch” taucht dort auf, na, dann kann doch geschossen werden. Zur Gentrifizierung:

Damit verbunden ist der Austausch ganzer Bevölkerungsgruppen.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung

Berliner.de:

Man kann aber auch versuchen die Menschen zu verstehen, die dem schnellen Wandel nicht standhalten können. Wenn die Bevölkerung seit der Wende zu gut 80% ausgetauscht wurde, wenn Mieten steigen und teure Galerien und Bioläden die ansässigen Unternehmer verdrängen, muss man hinschauen was die Leute bewegt.

Quelle: http://www.berliner.de/artikel/wir-sind-ein-volk-plakate-spalten-prenzlauer-berg

Verflixt, dass hört sich ja fast so an wie bei den Identitären. Ei wei, was ist auf einmal aus der bunten Diversity-Gesellschaft geworden, wo ist die hin? Sind wir auf einmal reaktionär und rückwärtsgewandt? Auf einmal Verständnis für den schon länger hier lebenden Wutbürger?

Und überhaupt, Gentrifizierung! Wie konnte das kommen?

Quelle: https://www.bild.de/regional/berlin/berlin-regional-politik-und-wirtschaft/berlin-investor-attackiert-rot-rot-gruen-wohnungspolitik-auf-riesen-plakat-56791928.bild.html

Wohnungsmangel: Neubauzahlen in Berlin sinken

Im Vergleich zu den ersten drei Quartalen im Jahr 2017 wurden dieses Jahr weniger Bauanträge genehmigt. Woran liegt das?
[…]
Der Preisdruck auf Berlins Mieten droht sich weiter zu verschärfen, Rot-Rot-Grün bekommt das Problem nicht in den Griff“, sagte der wohnungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Christian Gräff.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/wohnungsmangel-neubauzahlen-in-berlin-sinken/23596940.html

Im September 2011 gründete sich im östlich an die Parkfläche angrenzenden Schillerkiez unter dem Titel 100 % Tempelhofer Feld eine Bürgerinitiative mit dem erfolgreichen Ziel, die Nachnutzungspläne des Senats im Wege eines Berlin-weiten Volksentscheides zu kippen und eine Bebauung des Geländes zu verhindern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Berlin-Tempelhof#Volksbegehren_100_%_Tempelhofer_Feld

Fazit: Wenn man nach Berlin schaut, hat man immer öfter das Gefühl, in ein inverses Paralleluniversum zu blicken. Migration ist plötzlich etwas schlechtes, wenn wohlhabende, saubere und genaue Menschen mit tribalistischer Kultur nach Berlin kommen. Der Feind ist nämlich in Wirklichkeit der deutsche Spießer. Man hasst Investoren und den Kapitalismus, heult aber gleichzeitig rum, dass kein Wohnraum da ist und der verbleibende immer teurer wird. Erstaunlich ist: Hier findet sich das ganze ausländerfeindliche Vokabular der Rechten nur mit anderem Vorzeichen wieder. Vorurteile, Ressentiments, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (siehe unten) auf Stammtischniveau, Nazisprache: Es wird aus vollen Rohren gefeuert. Ersetze mal “Schwaben” durch “Migranten” oder “Ausländer”. Es geht nämlich in Wirklichkeit um die Konkurrenz um Ressourcen wie Wohnraum, Alltagskultur und Arbeitsplätze. Obwohl letztere für rot-rot-grün nicht so wesentlich sind, Arbeit ist ja unwürdig und im Wolkenkuckucksheim auch unnötig.

Fremdenfeindlichkeit
Fremdenfeindlichkeit drückt sich in der Bundesrepublik Deutschland nach Ansicht der Forscher u. a. darin aus, dass 54,7 % der Befragten im Jahr 2007 der Auffassung waren, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben würden (2002: 55,4 %; 2004: 60 %). Zudem, so die Auffassung von 29,7 %, sei es richtig, Ausländer zurückzuschicken, wenn die Arbeitsplätze knapp würden (2002: 27,7 %; 2004: 36 %).
[…]
Etabliertenvorrechte
Etabliertenvorrechte umfassen die von Alteingesessenen, gleich welcher Herkunft, beanspruchten raum-zeitlichen Vorrangstellungen, die auf eine Unterminierung gleicher Rechte hinauslaufen und somit die Gleichwertigkeit unterschiedlicher Gruppen verletzen. Für 35,1 % der Befragten im Jahr 2007 sollten diejenigen, die schon immer hier leben, mehr Rechte haben als solche, die später zugezogen sind (2002: 40,9 %; 2004: 35,5 %). Und wer neu sei, solle sich erst mal mit weniger zufriedengeben; 52,8 % vertreten eine solche Auffassung (2002: 57,8 %; 2004: 61,5 %).

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gruppenbezogene_Menschenfeindlichkeit

Wenn’s ein Witz sein soll, ist der wirklich gelungen. Man weiß manchmal einfach nicht, wenn es um Berlin geht, ob man weinen oder lachen soll.

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Info:
Berlin: Zur Schwabenfrage ist Beitrag Nr. 3035
Autor:
Martin Kaminski am 9. Mai 2019 um 13:22
Category:
alt aber immer noch relevant,Paralleluniversum
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