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ArtificialStupidity - Künstliche Dummheit


8. Januar 2020

Notwendiges Übel: Der Öffentlich-Rechtliche

Wie der Titel schon sagt, ich sehe die Öffentlich-Rechtlichen als notwendiges Übel. Eben einmal wegen des Bildungsauftrags gemäß des Rundfunkstaatsvertrags, ferner wegen der Unabhängigkeit vom Raubtierkapitalismus und der Politik. Ich sitze aber seit einiger Zeit immer öfter staunend vor der Mattscheibe und frage mich, wie weit das journalistische Eisenbiegen und die ideologische Umdeutung von Realität eigentlich noch gehen kann. Einige Beispiele, die ich mit meinen bösartigen Kommentaren ergänze, möchte ich hier dokumentieren. Sonst glaub’s ja wieder keiner.

Insbesondere die Neutralitätspflicht nimmt der ÖR sehr, sehr ernst:

Screenshot (Ausschnitt) vom mittlerweile zurückgezogenen Tweet von “ZDF heute” vom 7.2.2020, 7:39.

Analyse: Wir erinnern uns: Da sind christliche Karikaturisten von Charlie-Hebdo mit jungen moslemischen Burschen in Streit geraten! Auch die christliche Fundamentalistin Ariana Grande scheint irgenwie Beef mit Muslimen gehabt zu haben. Ebenso hatte der bekannte christliche Aktivist Rushdie Streit mit den Mullahs im Iran, wegen ein paar gestrichenen Versen im Koran. Die wichtigsten Fakten also kompakt und prägnant zusammengefasst. Und wunderbar neutral. Die Christen und die Moslems, immer am Streiten, die kleinen Racker.

Man ersetzt den obigen Tweet dann – nach dem Shitstorm (Mutmaßung, ich weiß es nicht), wie üblich nur echt, wenn er von rechts kommt – um 12:35 durch:

Der -Anschlag war eine Zäsur im Konflikt zwischen islamischer und christlicher Welt. Ein Überblick von Rushdies “Satanischen Versen” bis zum Anschlag auf das -Konzert 2017.

Quelle: https://twitter.com/ZDFheute/status/1214510795423408129

Analyse: Der Charlie Hebdo-Anschlag? War da ein Anschlag? Konflikt zwischen islamischer und christlicher Welt? Ist das osmanische Reich gemeint? Der Kreuzzug? Passt aber zeitlich nicht zu den Satanischen Versen von 1988 und damit fängt’s ja an.

Aha, ich verstehe, so ist das: Rushdie hat angefangen mit dem Konflikt (aka “Streit”) zwischen islamischer und christlicher Welt!

Ich frage mich, ob in manchen Redaktionen nur noch Praktikanten schreiben, während die Redakteure beim Prosecco und Schnittchen in der Redaktionssitzung schwer am Ackern sind, also um 7:39.

8 TIPPS FÜR EINE EFFEKTIVE REDAKTIONSSITZUNG
[…]
8. Sorgen Sie für gute Laune.
Wie vieles andere auch machen Redaktionssitzungen mehr Spaß, wenn Kaffee, Erfrischungen und vielleicht auch etwas Süßes bereitstehen.

Quelle: https://www.egger-lerch.at/8-tipps-fuer-eine-effektive-redaktionssitzung

Fazit: Der ÖR leidet an der Zwangsvorstellung, dass er in Wirklichkeit eine unentbehrliche Behörde ist, ohne die die Menschen nur sabbernde intellektuelle Zombies wären. Das betrifft natürlich genauso die anderen Qualitätsmedien, die in der Regel mit sinkenden Zahlen von Zahlenden zu kämpfen haben. Probleme mit Zahlen von Zahlenden haben die ÖRs natürlich nicht, wegen der großen Solidarität. Allerdings, es zeigt die Geschichte, dass Systeme, die sich für unheimlich wichtig hielten, manchmal von einem Tag auf den anderen als entbehrlich betrachtet wurden, z.B. die Sklaverei, die Leibeigenschaft oder die Bourgeoisie.